10 Fragen an… DIMITRI PAVLOV

Das Quartet Berlin-Tokyo gehört zu den erfolgreichen jungen Kammermusik-Ensembles von heute. Die Musiker, die aus Japan und Russland stammen, konzertieren sowohl in Asien als auch in Europa. Dimitri Pavlov ist zweiter Geiger des Quartetts. Wir trafen ihn während eines Meisterkurses im Kloster Wennigsen, in der Nähe von Hannover.

Ich liebe Musik, weil…
…ich sie spielen kann. Somit kann ich sie noch mehr lieben, und dadurch wiederum kann ich sie auch besser spielen. Und dann kann ich sie auch wieder mehr lieben. Es ist also ein niemals endender Kreis.

Welches Musikstück würdest du zu Außerirdischen ins All schicken?
Beethovens 9. Symphonie.

Angenommen, zeitliche und räumliche Hürden wären überwindbar, wen würdest du gerne einmal treffen?
Keinen von den bekannten Komponisten, das waren alles verrückte Leute. Am liebsten würde ich in die Zukunft gehen. Aber möglicherweise passiert in der Zukunft nichts Interessantes. Also vielleicht doch besser in die Vergangenheit (lacht).

Wann und wo übst du am liebsten?
Es sollte kein Ort mit guter Akustik sein, weil man dann nicht mehr die Fehler hört. Meist üben wir einfach dort, wo wir gerade sind. Und wir haben herausgefunden, dass die Stunden am sehr frühen Morgen am besten zum Üben geeignet sind. Denn dann denkt man nicht zu viel nach und „macht einfach“.

Vinyl, CD, Kassette oder MP3?
(überlegt) Vielleicht CD, aber die zerbrechen manchmal oder zerkratzen. Das Schöne daran ist jedoch, dass du immer genau weißt, wo der Kratzer auf der Platte ist. Das macht deine CD irgendwie individuell.

Wärst du lieber taub oder stumm?
Beides nicht (lacht). Na ja, wir Musiker bevorzugen es wohl eher, stumm zu sein, weil wir natürlich unseren speziellen Mund haben: unser Instrument. Aber ohne Sprache kann man wiederum keine Kammermusik machen, weil Kammermusik zu 100 Prozent auf gemeinsamen Proben basiert. Und in der Probe kannst du nicht einfach leise sein.

Wann warst du das letzte Mal in der Oper?
Ich gehe in Berlin oft ins Opernhaus. Allerdings schaue ich mir dort Ballett-Aufführungen an, denn meine Freundin ist Balletttänzerin. Die Oper hat ein schwer verständliches Konzept. Insbesondere für einen Quartettspieler, denn unser Konzept ist eher minimalistisch und kompakt. Die Oper ist das komplette Gegenteil davon.

Welches Album aus der Plattenkiste deiner Eltern hat dich am stärksten geprägt?
Ich komme aus Russland, und die meiste Zeit meiner Kindheit habe ich eine Art Cartoon gehört. Es war eine Geschichte mit Liedern und Musik, die es nur auf Platte gab. Das war keine klassische Musik, sondern eher jazzig. Ich erinnere mich gut, wie ich da immer saß und zuhörte.

Was war dein schönstes Live-Erlebnis auf der Bühne?
Das war, als wir 2012 beim ARD-Wettbewerb in München gespielt haben. Wir hatten drei anstrengende Monate mit sehr harter Vorbereitung hinter uns. Der Wettbewerb hat mehrere Runden, und unsere gesamte Energie war auf die erste Runde konzentriert. Und als wir gerade zu spielen aufhörten, da machte jemand in der zweiten Reihe mit der Hand das Victory-Zeichen, wie ein Groupie. Wir kannten ihn nicht, aber es war das erste Feedback in diesem Moment. Das ist später immer wieder passiert. In dem Augenblick war das wie ein guter Schock (grinst).

Was ist dein persönlicher Soundtrack für das Jahr 2015?
(überlegt lange) Ehrlich gesagt, die Tschaikowsky-Ballette, die meine Freundin tanzt. Ich bin zu vielen Aufführungen von ein und demselben Ballett gegangen, das ist so heilsam für mich. Und es inspiriert mich total, weil es einfach eine andere Art von Musik ist.

Aufgezeichnet von Miriam Stolzenwald

2017-11-29T16:46:19+00:00 Oktober 2015|Kategorien: Begegnung der Kulturen|Tags: |