Melancholie mit Dubstep

Eine Musikreise durch die Welt: „Saitensprung“ hat fünf Songs ausgewählt, um fünf internationale Musikstile vorzustellen. Fünf unterschiedliche Künstler und Bands aus fünf Kontinenten, die von ihrer eigenen oder von fremden Kulturen inspiriert wurden.

 

Nigeria:
NNEKA
AFRIKANS
2005

Die Musik der deutsch-afrikanischen Künstlerin Nneka ist stark von der politischen Lage in Nigeria geprägt und spiegelt ihr soziales Engagement für ihre Heimat wider. Nnekas Kunst ist ein buntes Erlebnis, in dem Reggae, Hip-Hop, Soul, Afrobeats, Dub und Blues zusammenfließen. In dem Video von „Afrikans“ aus ihrem Album „Victum of thruth“ zeigt Nneka die Wirklichkeit in Afrika genauso, wie sie ist. Die Spiritualität der Reggaebeats und die sozialen und moralischen Wertvorstellungen, die der Text enthält, machen die Botschaft des Stückes einzigartig. Es ist sowohl eine Liebeserklärung an Afrika als auch eine Aufforderung zur Selbstaufklärung: „It is so comfortable to say racism is cause! Wake up, Africa!“

 

Balkan:
STELLAMARA
PRITURI SE PLANINATA
2009

Uralte Balkanfolklore, gemixt und gesampelt mit Dubstep! „Prituri se Planinata“ (übersetzt: Das Gebirge hat sich umgewandelt) lautet der Titel eines mystischen Folkloreliedes. Es erzählt eine Geschichte, die die Melancholie der traditionellen bulgarischen Musik vermittelt. Das mächtige Gebirge ist ein zentrales Motiv in der alten balkanischen Folklore und symbolisiert die Stimme der unbesiegbaren Natur, die den Menschen das Leben gibt und wieder nimmt. Die Legende des Liedes erzählt von zwei Hirten, die im Gebirge leben und verschüttet werden. Trotz aller Bitten, wieder frei zu kommen, bleibt die Natur gleichgültig und zeigt, wie unwesentlich die Menschen angesichts der Naturkräfte sind. Der widersprüchliche Charakter der Natur, tiefe Bässe und die krasse Dubstep-Energie des Stückes sorgen für den frischen, modernen elektroakustischen Ausdruck von Stellamara. Er entführt uns in eine neue und unerforschte musikalische Welt.

 

Pakistan:
NUSRAT FATEH ALI KHAN
AKHIYAAN UDEEK DIYAN
1993

Wer die Live-Version von Akhiyaan Udeek Diyan, gesungen von Nusrat, hört, bekommt sofort Gänsehaut. Der Künstler sitzt am Boden. Trommler und Akkordeonspieler sitzen daneben und begleiten seine göttliche Stimme. Die islamische Musikrichtung, für die er steht, heißt Qawwali. Melodie und Text sind rein und einfach, genau so, wie man vor Gott sprechen muss. Sie haben klare Botschaften – liebe den Islam, liebe Allah und liebe die Menschen. Die typische Sufi-Gesangstechnik von Nusrat verbindet pakistanische und indische klassische Musik. Sie wurde von der ursprünglichen islamischen „Liebespoesie“ geprägt, der sakralen Gedichtform Ghazals.

 

Kuba:
BUENA VISTA SOCIAL CLUB
EL CARRETERO
1997

El Carretero, ein Song des kubanischen Orchesters Buena Vista Social Club, erzählt die Geschichte eines armen Jungen aus Kuba und zeigt damit die soziale Wirklichkeit in dem mittelamerikanischen Land – Musik, die die Kultur von Kuba authentisch präsentiert. Eliades Ochoe Bustamante spielt am Tres und singt über einen fröhlichen jungen Mann aus dem Dorf, der jeden Tag mit seinem Pferdewagen fährt. Er arbeitet, um irgendwann heiraten zu können. Sein Leben und sein Land sind für ihn das Paradies. Sein Traum ist einfach und menschlich. In einem Film über Buena Vista Social Club erzählt Ibrahim Ferrer, Mitglied des Orchesters: „Wir, die Kubaner, sind Gott dankbar dafür, dass er uns genauso gemacht hat, wie wir sind: Menschen des Lebens. Wenn uns materielle Dinge wichtig wären, würden wir nicht mehr existieren.“

 

USA:
YANNI
PLAYTIME
2003

Die Musik des amerikanisch-griechischen Komponisten Yanni und seines internationalen Orchesters mit Musikern aus allen Teilen der Welt ist eine Mischung aus Jazz, Klassik und Ethnofolk. In dem Stück „Playtime“ nimmt er seine Hörer mit auf eine Reise rund um die Welt, und das mit einer ungewöhnlichen Musikkombination: asiatische Volksmusik, Synthesizer, Salsa-Rhythmen und Schlagzeug. Der musikalische Wettstreit zwischen der Geigerin und dem Saxofonisten ist absolut hörenswert. Bunt und multikulturell, wie die USA.

Desislava Markova

2017-11-29T16:52:32+00:00 Oktober 2015|Kategorien: Begegnung der Kulturen|Tags: |