10 Fragen an… YE-EUN CHOI

Ye-Eun Choi kommt aus Südkorea und wurde mit 16 Jahren von Anne-Sophie Mutter entdeckt, die sie in ihre Stiftung aufnahm. Sie studierte in München, wo sie derzeit auch lebt, und trat als Solistin weltweit auf. Zuletzt spielte sie mit den Bamberger Symphonikern und Christoph Eschenbach und ging mit der NDR-Radiophilharmonie unter Andrew Manze auf Konzerttournee in ihre Heimat.

Saitensprung: Ich liebe Musik, weil…
…ich damit meine Emotionen frei zum Ausdruck bringen kann. Im Leben empfindet man so viele Emotionen, die man nicht mit Worten ausdrücken kann, mit Musik aber umso besser. Wenn ich Musik mache, erlebe ich Emotionen, die ich so im alltäglichen Leben noch nicht empfunden habe. So werde ich durch Musik täglich auf wunderbare Weise bereichert.

Was war der erste Tonträger, den du gekauft hast?
Eine Kassette! Ich hatte unzählige und habe sie rauf und runter gehört. Daraufhin war ich so begeistert, dass ich mir ein tragbares Abspielgerät kaufte. Das war damals total magisch für mich. Heute können wir ja so gut wie alles im Internet herunterladen und kaufen. Das finde ich echt toll und sehr praktisch, weil es natürlich auch viel Zeit spart. Aber manchmal vermisse ich die alten Geräte, mit denen wir früher Musik hörten, weil daran viele Erinnerungen hängen und die Klangfarbe bei alten Aufnahmen auch anders ist.

Wer sind deine musikalischen Vorbilder?
Ein großes musikalisches Vorbild ist für mich die Pianistin Martha Argerich. Obwohl sich unsere Charaktere unterscheiden, haben wir beim Musikmachen die gleiche Gesinnung und Energie als Ziel vor Augen. Wenn sie auf der Bühne ist, taucht sie sofort in eine Musikwelt ein, was für alle im Saal ein magischer Moment ist. So ein Erlebnis kann man nicht vergessen.

Wann warst du das letzte Mal selbst Konzertbesucher?
Zuletzt habe ich in München ein Konzert besucht. Frank Peter Zimmermann spielte mit den Bamberger Symphonikern unter Maestro Manfred Honeck das Beethoven-Violinkonzert. Es war ein unglaubliches Konzert, ich war sehr berührt. Frank Peter Zimmermann hat eine sehr besondere Klangart, immer so selig und frisch. Maestro Honeck kenne ich schon einige Jahre, und wir haben mehrere Male zusammen gespielt – er ist ein toller Dirigent, der auf der Bühne sein ganzes Temperament zeigt. Ich finde es ist für uns Musiker wichtig, dass wir nicht nur selbst Konzerte spielen, sondern auch viele besuchen, um uns inspirieren zu lassen. So bleibt man immer offen für neue und andere Dinge und beugt einer beschränkten Sichtweise vor.

Vinyl, CD, Kassette oder MP3?
Obwohl ich auch MP3 höre, geht nichts über meine CD-Sammlung. Ich kaufe mir oft CDs und mag es, sie gemütlich zu Hause anzuhören.

Was ist für dich der größte Hit aller Zeiten?
Da fällt es mir schwer einen auszuwählen. Es gibt so viele großartige Songs und Stücke, die für mich persönliche Hits sind. Beispielsweise finde ich das Korngold-Violinkonzert gespielt von Jascha Heifetz absolut großartig.

Was sollte man beim Touren immer dabeihaben?
Geige, Bogen, Reisepass, Konzertkleid und eine kleine Bibel! Alles andere kann man zur Not auch unterwegs kaufen.

Mit wem würdest du in Zukunft gerne mal zusammenarbeiten?
Ich würde sehr gerne einmal Yo-Yo Ma und Martha Argerich kennenlernen und mit ihnen musizieren! Unter den großen Dirigenten würde ich gerne mit Valery Gergiev zusammenarbeiten.

Was war dein schönstes Erlebnis auf der Bühne?
Es gibt so viele besondere Erlebnisse, und es ist sehr schwer, nur eines zu nennen. In wunderbarer Erinnerung habe ich das Konzert in San Francisco, bei dem ich Brahms’ Violinkonzert gespielt habe. Das war mit Maestro Michael Tilson Thomas und dem San Francisco Symphony Orchestra. Das Konzert war das dritte und letzte einer Konzertreihe mit Anne-Sophie Mutter, bei dem ich für sie eingesprungen bin. Deshalb gab es keine Extraprobe für mich, was mir zuvor ein bisschen Sorge bereitet hatte, da ich unter großem Druck stand. Ohne Probe hatte ich nämlich noch nie auf der Bühne mit Orchester gespielt. Aber ich muss sagen, es war eines meiner schönsten Erlebnisse auf der Bühne. Das Zusammenspiel mit dem Maestro und dem Orchester war unglaublich intensiv und gefühlvoll. Dieses Erlebnis werde ich nie vergessen.

Was sind deine Pläne für 2017?
Ich freue mich ganz besonders auf mein Konzert in Kazan im Herbst 2017, wo ich beim Concordia Festival ein Werk des fantastischen Komponisten Krzysztof Penderecki aufführen werde. Penderecki höchstpersönlich wird es dirigieren, und es ist für mich eine große Ehre, die Interpretin seines Werkes „Metamorphosen“ sein zu dürfen.

Aufgezeichnet von Inga Schönfeldt

2017-11-10T16:54:57+00:00 November 2017|Kategorien: Geld. Macht. Pop.|Tags: |