Don’t Make Germany Great Again

Mehrere Monate sind seit dem Eurovision Song Contest in Kiew vergangen, und bereits einen Tag später wusste niemand mehr den Namen der deutschen Teilnehmerin. Ob nun Ann-Sophie, Jamie-Lee, Chantal-Christine oder Lola-Lola – Deutschland hat ein Erfolgsproblem. Und das nicht nur beim ESC. Es gibt Verlierer, so weit das Auge reicht. „Britpop“ ist immer noch angesagter als „German Pop“, und seit Nena hat kein deutscher Sänger mehr die ganze Welt erobert. Deutschland ist chancenlos im Basketball, Eishockey und beim 50-Meter-Lauf. Nicht zu vergessen: Deutsche Serien und Coolness sind so wie Wasser und Öl.

Dabei kann Erfolg kann der letzte Versager haben. Trump hat es gezeigt. Selbst als inkompetenter und unerfahrener Politiker hat er es geschafft einer der mächtigsten Männer der Welt zu werden. Oder Helene Fischer. Ihr Name wird seit der Rechtschreibreform von 1996 im Duden als Synonym für Erfolg geführt.

An wen soll sich der NDR also wenden, um in Lissabon im nächsten Mai nicht wieder die rote Laterne zu gewinnen? Trump oder Helene?

Genau da liegt der Kern des Problems. Wir wollen gewinnen. Klassischer Anfängerfehler. Wer gewinnt, hat nur Ärger. Nichts als Ärger. Siegerfeier organisieren, Champagner trinken, Interviews geben. Wird am Ende noch mit Bier übergossen. Fahnen ins Gesicht malen. Man muss tanzen, obwohl kein Deutscher das kann. Dann auch noch den Liedtext auswendig lernen, um ihn mitzugrölen.

Wie viel schöner sind da Ruhe und Ignoranz, die die Verlierer wie einen Tarnumhang verhüllen. Himmlisch. Man kann sich dann mal richtig schön gehen lassen. Selbst Trump hat seinen Wahlsieg bereut, weil er nun nicht mehr Gold scheffeln kann, und Helene will eigentlich auch nur betrunken im Dortmund-Fanblock stehen und auf Andrea Bergs Konzerte gehen. Also: Lasst uns wieder Letzter werden. Sei der NDR Trump und Helene ein Vorbild.

Wobei, hat jemand Helenes Nummer?

Inga Schönfeldt

2017-11-08T20:35:17+00:00 November 2017|Kategorien: Geld. Macht. Pop.|Tags: |