10 Fragen an… IGOR LEVIT

Igor Levit wurde 1987 in Nizhni Nowgorod geboren und kam 1995 mit seiner Familie nach Deutschland. Mit 25 Jahren ist er als Pianist bereits eine feste Größe in der internationalen Klassikwelt. An der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover schloss er im Jahr 2009 sein Studium mit der höchsten Punktzahl in der Geschichte der Musikhochschule ab. Mittlerweile spielt er auf allen wichtigen Bühnen der Welt sowie mit namhaften Orchestern. In diesem Herbst ist sein Debüt-Album mit den fünf späten Beethoven-Sonaten Op. 101, 106, 109, 110 und 111 bei Sony Classical erschienen.

Ich liebe Musik, weil…
… weil ich sie schon immer geliebt habe und sie für mein Leben alternativlos ist.

Bei welcher Musik stellst du sofort das Radio aus?
Bei Schlager…

Was ist deine Heimat: Russland oder Deutschland?
Für mich ist Deutschland meine Heimat.

Darf man Wagner lieben?
Selbstverständlich darf man Wagner lieben. Diese ganzen elenden Trennereien zwischen Mensch und Musik finde ich langweilig. Man darf sagen, was man denkt, solange man denkt.

Wer oder was hat dich musikalisch geprägt?
Mein gesamtes Umfeld. Vom Elternhaus bis zu den Lehrern, bis zu den Büchern und Zeitungen, die ich lese, bis zu dem Essen, das ich esse…

Dein schönstes Live-Erlebnis…
Das schönste Konzert – das weiß nicht. Das will ich gar nicht kategorisieren, es gibt so wahnsinnig viele tolle. Ich kann sagen, was am lustigsten war, da fallen mir zwei Erlebnisse ein. Ich habe „People United-Variationen“ von Frederic Rzewski in einem wunderbaren Zelt in der Nähe von Dresden gespielt. 500-600 Zuschauer. Ungefähr 50 Minuten vor Schluss fällt mit einem großen Karacho das Licht aus. Draußen hat es gedonnert. Und dann war es stockfinster. Ich spielte nach Noten, weil ich mich damals einfach noch nicht getraut habe, es auswendig zu spielen. Und nun musste ich in dieser absoluten Stockfinsterheit das Stück doch auswendig zu Ende bringen. Das war herrlich! Und das zweite lustige Erlebnis war ein klingelndes Handy während eines Konzertes. Als das Handy aufgehört hatte zu klingeln, rief fünf Sekunden später eine ältere Dame aus dem Publikum mitten ins Stück hinein: „Es tut mir leid!“

Angenommen, zeitliche und räumliche Hürden wären überwindbar – wen würdest du gern einmal treffen?
Brigitte Bardot, Ernest Hemingway… Und ich hätte tatsächlich gerne den Beethoven kennengelernt.

Wärst du lieber taub oder stumm?
Weder noch, um Gottes willen, das ist schrecklich.

Wann und wo übst du am liebsten?
Überall. Am Instrument zu Hause, in der Hochschule, auf Konzertreise… Im Kopf 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche, unabhängig davon, wo ich bin oder was ich mache.

Spielst du lieber vor kleinem oder großem Publikum?
Das ist mir, ehrlich gesagt, völlig egal. Es gibt kleinste Räume, die – wenn sie klug bestuhlt sind – eine fantastische Atmosphäre haben. Aber wenn man in einen größeren Saal kommt und sieht, da sind nur sechs Reihen gefüllt, das sieht doof aus.

Aufgezeichnet von Marlene Brüggen

Bildnachweis: Felix Broede

2018-06-29T22:38:40+00:00 Oktober 2013|Kategorien: Heimat|Tags: |