Auslaufmodell Bieber

Justin Bieber ist kein Teenie-Idol mehr! „Was?“ Ja, Sie haben richtig gelesen. In knappen anderthalb Jahren, im März 2014 nämlich, wird der Knabe mit den glockenklaren R&B-Stimmbändern zwanzig. OMG möchte man da schreien. Erste Abnutzungserscheinungen zeigten sich bereits, als er sich von seiner Signature-Matte ®©™ – die auch schon vier Lads aus Liverpool berühmt machte – getrennt hatte. Gestutzte Haarpracht und verglühender Teenybopper-Bonus in Kombination lassen die Plattenverkäufe einbrechen. 374.000 Einheiten verkaufte er in der ersten Woche von seinem dritten Studioalbum in den USA. Den knapp zehn Jahre älteren Mumford & Sons, britischer Herkunft und – anders als der adrett gebügelte Bieber – gekleidet in vergilbten Hemden, speckigen Hosen und zudem unrasiert und ungekämmt, wurden 600.000 Exemplare aus den Händen gerissen. Kein Bieber-Fieber mehr.

Was also tun? Wer verkauft denn heuer noch Platten? Tote! Michael Jackson, Elvis Presley, John Lennon – sie alle sind noch weit nach ihrem Ableben dick im Geschäft. Gut, diese Idee sollte vielleicht nicht Marketing-Tool Nr. 1 werden. Anderer Plan: Altmeister! Die können schon rein historisch nichts falsch machen und verkaufen, verkaufen, verkaufen – egal wie schlecht das neue Material auch ist. Sie sind die Rosinen im Kuchen der Plattenbosse. Aber faltig wie eine getrocknete Weinbeere wird Justin erst in etwa 40 Jahren. Eine zu große Zeitspanne. Wie wäre es mit dem wirklich immer florierenden Weihnachtsgeschäft? Pünktlich zu Lebkuchen und Wham! werden sie jährlich auf dem Markt geschmissen, wie bei einer Flasche Ketchup, deren Inhalt den ganzen Teller füllt, weil man auf den Boden der Flasche geklopft hat: die Armaden von Greatest-Hits-Alben, Best-Ofs und Special-Editions. Wann sonst gönnt man dem Plattenschrank die mittlerweile vierte Version von „Darkness On The Edge Of Town“, das Uber-Deluxe-Box-Set von U2s „Achtung Baby“ inklusive der legendären The-Fly-Sonnenbrille oder die streng limitierte Edition von „The SMiLE Sessions“ der Beach Boys inklusive Surfbrett und mit anknipsbaren Lichtern? Andererseits kosten solche Spielereien einen Bub, der über 184 Millionen Google-Treffer erreicht, wenn man „Justin Bieber Hair“ eingibt (aber nur 13 Millionen in der Kombination „Justin Bieber Songwriter“), wahrscheinlich zu viel Kreativität.

Bleibt noch eine Lösung, um auch zukünftig im Gespräch zu bleiben: Alkohol, Drogen und Skandale. Aber auch hier: Fehlanzeige. Der Zartbesaitete musste sich zwar letztens mitten auf der Bühne übergeben, schuld war aber einfach zu viel Milch. Justin, du bist im wahrsten Sinne des Wortes also ein „Auslaufmodell“. Aber wer weiß, vielleicht brechen ja demnächst deine Zahnpflegeprodukte inklusive singender Zahnbürsten sämtliche Rekorde. Anderthalb Jahre gehörst du ja immerhin noch der Zahnspangenzielgruppe an.

Katharina Bock

Bildnachweis: Paul Sklorz

2018-10-13T18:01:04+00:00 Oktober 2012|Kategorien: Licht und Dunkelheit|Tags: |