Der Kuss der Muse

Eine Muse inspiriert. Eine Muse regt an. Eine Muse küsst. Ob Beth Ditto und Karl Lagerfeld, Florence Welch und Chanel oder Conchita Wurst und Jean Paul Gaultier, schon so manche Künstlerin und so mancher Künstler haben einen Designer zu kreativen Meisterleistungen beflügelt. Nicht immer ist die Beziehung zwischen Muse und Designer dabei auch sexueller Natur. Im Falle von Vivienne Westwood vertiefte sich die Beziehung zu ihrer Muse allerdings zu so einer derart innigen Partnerschaft, dass die britische Designerin den 25 Jahre jüngeren Österreicher Andreas Kronthaler heiratete. Auch Kronthaler ist mittlerweile ein erfolgreicher Designer. Das Paar ist seit über zwanzig Jahren zusammen, beide regen sich in ihrer Arbeit gegenseitig kreativ an.

Die Fähigkeit, dem Designer die Bestätigung zu geben, die er braucht – das sei es, was einen Menschen zur Muse werden lässt, sagt Martina Glomb, Designerin und Mode-Professorin an der Hochschule Hannover. Sie selbst hat lange für Vivienne Westwood in England und Italien gearbeitet und dort mit ihren Designs Westwoods Stil erfolgreich fortgeführt. Musen selbst seien sehr kreative und sehr sensible Menschen, sagt Glomb. Kein Wunder also, dass gerade Musikerinnen oft zu Musen erkoren werden.

Letztlich ähnelt das Verhältnis zwischen Muse und Meister aber ein wenig dem zwischen Lehrer und Schüler. „Durch die eigene Arbeit kann man dem anderen helfen, noch besser zu werden.“ So kann also auch so mancher Star-Designer noch von seiner Muse lernen. Wenn es hierbei auch nicht zwingend um Handwerkliches geht, so doch immerhin um so etwas Elementares wie Selbstvertrauen.

 

Marlene Seibel

2017-10-12T17:36:32+00:00 Oktober 2017|Kategorien: Mode(n)|