Fünf Songs

Die fünf Songs dieser „Saitensprung“-Ausgabe liefern uns den Soundtrack für Hannover. Ob hier geboren, zugezogen oder auf der A7 die falsche Abfahrt genommen: Jeder der folgenden Künstler hatte einen Berührungspunkt mit Hannover, woraus ein Song entstanden ist, der die Stadt zum Klingen bringt.

 

BARBARA SCHÖNEBERGER
ZU HÄSSLICH FÜR MÜNCHEN
2007

Wenn man zu hässlich für München, zu dumm für Berlin oder zu trendy für Bautzen ist, dann rät Barbara Schöneberger dazu, nach Hannover zu ziehen. In dem Song, der 2007 auf ihrem Swing-Album „Jetzt singt sie auch noch“ erschienen ist, beklagt sich die Entertainerin darüber, dass sie wegen ihrer Durchschnittlichkeit in keine Stadt passe. Aber zum Glück gibt es ja Hannover. Die Stadt der Normalen und Unauffälligen, ohne Ecken und Kanten, die in einem perfekten Hochdeutsch miteinander kommunizieren. Frau Schöneberger spiegelt in ihrem Song eine wohl weit verbreitete Meinung über Hannover wider. Doch jeder Hannoveraner weiß, dass das eigentlich nur der äußere Schein der Stadt ist. Hannover ist an manchen Stellen genauso schön wie München oder so klug wie Berlin und mindestens so trendy wie Bautzen.

 

 

NEERSTRÖM
KRÖPCKE
2009

Hannovers Musikalität zeigt sich in den vielen kleinen Bands, die hier entstehen. Diese Bands finden in alternativen Locations wie dem Lux oder der Feinkost Lampe immer ein interessiertes Publikum. So auch der Singer/Songwriter Neerström. 2009 erschien seine erste EP „Hallo! Hannover“ und damit auch der Song „Kröpcke“. Schon zu Beginn des Stücks zeichnet Neerström ein Bild, das jedem Hannoveraner bekannt ist: Man sitzt in der Bahn auf dem Weg zur Station Kröpcke, schaut aus dem Fenster, und stellt fest: „Alles was passiert, ist trivial“. Während der Fahrt kommt man auch ab und zu ins Grübeln, ob es nicht einfacher wäre, im Stadtzentrum zu wohnen, doch wie soll man dort schon eine Wohnung finden. Und deshalb führt der Weg über den Stadtbahn-Knotenpunkt Kröpcke, von wo aus man meistens noch weiter in die nächste Bahn muss. Neerströms Song verpackt eine alltägliche hannoversche Situation in einen kleinen Indie-Song, der sich perfekt dafür eignet, aus den Kopfhörern klingend die nächste Stadtbahn-Fahrt zu untermalen.

 

PHRASENMÄHER
HANNOVER
2012

Schon wieder ein Song, in dem Hannover nicht gut wegkommt. Und das nur wegen einer Angewohnheit der Stadtbewohner, die schon lange Tradition ist: „Man trifft sich nicht am Bahnhof, sondern unterm Schwanz.“ Das ist der Grund, weshalb das Trio Phrasenmäher der Meinung ist, dass es Hannover eindeutig an Eleganz fehlt. Außerdem stellt die Pop-Band in ihrem Song fest, dass aus Hannover meistens Dinge stammen, die erst cool und dann nervig sind. So beispielsweise Lena Meyer-Landruth oder Gerhard Schröder. Doch mit dem Live-Album „live zu begreifen“, auf dem „Hannover“ erschienen ist, wird nicht nur die Hauptstadt Niedersachsens durch den Kakao gezogen. Auch Hildesheim bleibt nicht verschont: „Hildesheim, dein Herz ist groß, dein Denken eher klein.“ Vielleicht lassen sich die Hamburger von Phrasenmäher einfach nur gerne wortgewandt über die Fehler niedersächsischer Städte aus. Denn was ist schon unelegant daran, sich unter dem Reiterstandbild Ernst August I., König von Hannover, zu treffen.

 

BERND BEGEMANN
EIGENTLICH WOLLTE ICH NICHT NACH HANNOVER
1993

Manchmal verschlägt es einen Reisenden ungeplant in eine Stadt. Der Hamburger Singer/Songwriter Bernd Begemann schildert in seinem Song „Eigentlich wollte ich nicht nach Hannover“ eine Reise, deren Ziel sich sehr spontan ändert. Der Grund: ein schönes Mädchen, das am Autobahnrand ein braunes Pappschild in die Höhe hält. Darauf zu sehen ist der Buchstabe H. Dafür kann man seine Route schon mal ändern, denkt sich der Fahrer und nimmt die Unbekannte mit. Die Szene könnte wohl der Beginn einer romantischen Liebesgeschichte sein, wäre da nicht der hannoversche Freund, zu dem das Mädchen auf dem Weg ist. Und deshalb endet die Geschichte mit dem sitzengelassenen Autofahrer, der seiner Mitfahrerin nachschaut und an den „glücklichen Blödmann“ denkt, zu dem sie gehört. Den Song „Eigentlich wollte ich nicht nach Hannover“ veröffentlichte Bernd Begemann auf seinem Album „Rezession, Baby!“, das 1993 erschien.

 

LA BOOM (aka Jan Delay und Tropf)
DER BESTE MENSCH VON HANNOVER
2002

La Boom war das gemeinsame Musikprojekt des Rappers Jan Delay und des Hamburger Produzenten Tropf, das Anfang der 2000er ins Leben gerufen wurde. Jan Delay, der uns heute als Solokünstler bekannt ist, war damals noch Mitglied der Absoluten Beginner, und Tropf produzierte die Hip-Hop-Combo Dynamite Deluxe. Zusammen veröffentlichten die Musiker 2002 das Album „Atarihuana“, dessen Name sich auf den Neunzigerjahre-Computer Atari ST bezieht. Mit diesem Computer komponierten Delay und Tropf das komplette Album und schufen so rein instrumentale Songs, die sich fernab vom Rap bewegen. Der beste Mensch von Hannover durfte bei diesem Album ebenfalls mitmischen. Er ist bei dem gleichnamigen Song mit dem Ruf „Ich bin der beste Mensch von Hannover“ zwar zu hören, doch wer er wirklich ist, bleibt ungewiss. Schade, man würde doch zu gerne erfahren, wer da denn jetzt gemeint war.

 

Clara Ehrmann

2017-10-24T15:45:10+00:00 Oktober 2017|Kategorien: Musikstadt Hannover|Tags: |