Glissando in Serie

Ein Glissando auf der Gitarre – und das während sie auf den Knien des Gitarristen liegt und die Saiten nach oben zeigen? Das mag sich komisch anhören, doch wenn man an den typischen Hawaii-Sound denkt, ist der Gedanke gar nicht mehr so abwegig. Gespielt wird die Gitarre hierbei nicht wie üblich mit den Fingern, die einzelne Töne oder Akkorde greifen, sondern mit einem flachen Metallstück, mit dem der Gitarrist an den lang schwingenden Stahlsaiten entlangfährt. Dies ist das Prinzip der Steelguitar. Erfunden hat diese Spielweise der aus Hawaii stammende Gitarrist Joseph Kekuku.
Doch was hat der aus Hannover stammende Hermann Weißenborn damit zu tun? Weißenborn arbeitete Ende des 19. Jahrhunderts als „Pianofortefabrikant“ in Hannover, bevor es ihn 1902 nach New York veschlug. Dort war er ebenfalls mehrere Jahre in einer Klavierfabrik tätig. 1912 zog er schließlich nach Los Angeles. Er stellte ein aus Mexiko stammendes Hausmädchen ein, die in ihrer Freizeit bei Charles S. De Lano Gitarrenunterricht nahm. Dieser war zugleich Schüler bei dem berühmten Joseph Kekuku. De Lano besaß eine besonders gebaute Gitarre, die 1866 von einem norwegischen Gitarrenbauer erfunden worden war. Der Norweger hatte für Kekukus Art zu spielen ein eigenes Instrument konstruiert und dabei den Klang durch einen hohlen Hals verstärkt. Zu Unterrichtszwecken lieh De Lano dem Hausmädchen diese besondere Gitarre, die sie wegen eines kleinen technischen Defekts an Weißenborn weitergab. Als Weißenborn das Potenzial darin sah, baute er sie nach, ging mit ihr in Serie und verbreitete sie auf der ganzen Welt. Somit wurde die Grundlage der Steelguitar geschaffen.

Daniela Vathke

Bildnachweis: Lara Sagen

2018-09-28T15:00:45+00:00 April 2018|Kategorien: Orte.Räume|Tags: |