„Musik-Bringdienst“ für Hannover

Das MusikZentrum Hannover ist vor allem als mittelgroße Spielstätte für Bands bekannt. Dabei steckt viel mehr dahinter: Die gleichnamige gemeinnützige GmbH hat es sich zur Aufgabe gemacht, möglichst vielen Menschen den Zugang zum aktiven Musizieren zu ermöglichen. In diesem Jahr feiert die Organisation ihr 25-jähriges Jubiläum.

Der Name weckt Erwartungen: Wer für sich beansprucht, das Zentrum der Musik einer Großstadt wie Hannover zu sein, muss diesem Anspruch erst mal gerecht werden. Tatsächlich fördert das MusikZentrum mit seinen zahlreichen unterschiedlichen Angeboten und Projekten die regionale Musikszene sowohl in der Breite als auch in der Spitze. Das Netzwerk dafür erstreckt sich von lokalen Partnern wie der Landeshauptstadt Hannover, die das MusikZentrum institutionell fördert und mit ihm beispielsweise bei der Ausbildung für verschiedene Berufe kooperiert, bis hin zu landes- und bundesweiten Organisationen.

Auch räumlich bietet sich auf dem alten Fabrikgelände in der Nordstadt ein wahres Zentrum für Musik: Neben der gut 500 Zuschauer fassenden Halle, in der vor allem Pop- und Rockkonzerte, aber auch Theateraufführungen und Partys veranstaltet werden, befinden sich im Hauptgebäude nicht nur ein großes Tonstudio, sondern auch Probe- und Seminarräume. Zudem sitzen hier die Geschäftsstellen des RockBüros Hannover, der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Rock in Niedersachsen und der Deutschen Rockmusik Stiftung. Das Magazin rockszene.de, die Musikvideo-Produktionsfirma d-zentral.tv sowie eine Grafikabteilung liegen auch Tür an Tür – die Wege von Künstlern, Managern, Mediengestaltern und Journalisten sind also kurz, und gemeinsame Projektideen können beim Kaffee auf dem Flur ausgetauscht werden.

Das MusikZentrum ist aber auch an anderen Orten präsent. Neben Proberäumen an drei weiteren Standorten in Hannover bietet es viele Workshops für die breite Bevölkerung an. Dafür sind nicht nur professionelle Musikpädagogen, sondern auch eine Reihe von Spezialfahrzeugen im Einsatz. Der „Musik-in-Liner“, ein zum Proberaum umgebauter Linienbus, fuhr zehn Jahre lang für Musik- und Tanzworkshops durch Niedersachsen, bevor er wegen Altersschwäche ausgemustert und einer Schule als Kreativraum vermacht wurde. Gut unterwegs dagegen sind weiterhin das „RockMobil“ und das „MusikMobil“, zwei VW-Busse, die vollgepackt mit Bandequipment sind: Von E-Gitarren über Bass, Keyboards, Schlagzeug und Percussion-Instrumente bis hin zu Mikrofonen und Gesangsanlage ist alles dabei, was man für eine Bandprobe braucht. Das Angebot richtet sich an Jugendliche im Alter von 8 bis 18 Jahren und wird vor allem von Jugendzentren, Freizeitheimen und ähnlichen Einrichtungen gebucht. Musikalische Vorkenntnisse oder Fertigkeiten sind keine Voraussetzung für die Workshops, vielmehr stehen Spaß an der Musik und Experimentierfreude im Vordergrund.

Das größte Mobil ist der „SoundTruck“, ein rollendes Tonstudio. In dem umgebauten LKW können nicht nur Nachwuchsbands ihre Demotapes aufnehmen, sondern beispielsweise auch Kinder einer Tagesstätte ihre Lieder oder Mitarbeiter bei Firmenfeiern den Unternehmenssong festhalten. Auch hier sind keine Vorkenntnisse nötig, die Menschen sollen vielmehr über das Medium Musik und durch die professionelle Unterstützung der Dozenten positive Anregungen und Entwicklungschancen erhalten.

Diese „Musik-Bringdienste“ werden aktuell durch ein weiteres mobiles Projekt ergänzt: Das APPmusikStudio, für das 20 Tablets inklusive verschiedener Apps zur Erzeugung von Musik angeschafft wurden, soll neue Zielgruppen ansprechen und die Entwicklung von Medienkompetenz und inklusiven Bildungsangeboten ermöglichen. Zurzeit laufen die Planungen für eine App-Oper mit Jugendlichen und Musikern der Staatsoper Hannover im Jahr 2019.

Trotz neuer digitaler Wege kommen beim MusikZentrum aber auch traditionelle Bühnenreihen nicht zu kurz. Jährliche Projekte sind das Jugendmusiktheater, bei dem Kindern und Jugendlichen Tanz, Theater, Technik und Musik nähergebracht werden, und der Sixpack-Bandcontest, der Nachwuchsbands mit professionellem Anspruch fördert – eine Plattform, auf der sich auch immer mehr Combos der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover tummeln.

Wer diesen Wettbewerb gewinnt, darf auf dem größten Musikfest der Welt spielen: der Fête de la Musique, die zur Sommersonnenwende in Städten weltweit von Berlin über New York bis nach Peking gefeiert wird und allein in Hannover mit 35 Bühnen und 2500 teilnehmenden Musikern die Massen anlockt. Die lokale Produktionsleitung für das Festival ist seit vier Jahren im MusikZentrum zuhause. So hat sich ein Kreis geschlossen, denn wohl bei keiner anderen Veranstaltung kommen so viele Menschen zusammen, um gemeinsam auf unterschiedlichste Art Musik zu machen.

Jan Michael Meyer-Lamp

Bildnachweise: Christoph Hövel (d-zentral), Musikzentrum Hannover

2018-09-28T15:33:06+00:00 April 2018|Kategorien: Orte.Räume|