10 Fragen an… THIS AIN’T BRISTOL

In den Neunzigern hieß die hannoversche Hochburg für elektronische Musik noch „Cyberhouse“ oder „Hanomag Tor 1“ (siehe dazu den Beitrag „Zirkus um die Katakomben“). Heutzutage ist es der „Club Weidendamm“, der mit seiner Vielzahl an Veranstaltungsreihen das Zuhause zahlreicher elektronischer Kollektive ist. Aus diesem Kreis hat sich in den letzten Jahren insbesondere das Label This Ain’t Bristol in den Vordergrund gedrängt: Mit ihrer Liebe zu britischer Bassmusik stürmten sie die Charts des wichtigsten elektronischen Musikdienstes Beatport, wurden als „Breakthrough Label of 2015“ ausgezeichnet und setzten Hannover wieder auf die Landkarte für elektronische Musik. Wir haben uns mit den Machern des Labels zum Interview getroffen.

 

Saitensprung: Wir lieben Musik, weil…
… sie uns zusammengebracht hat und uns eine Plattform bietet, wo wir uns kreativ austoben können, ohne uns an irgendwelche Regeln halten zu müssen, außer dem Respekt voreinander.

Wer sind eure musikalischen Vorbilder?
Da wir alle verschiedene Hintergründe haben, ist es gar nicht so einfach, einen gemeinsamen Nenner zu finden, das würde eine unendliche Liste werden. This Ain’t Bristol entstand zwar aus der Liebe zu britischer Bassmusik, aber auch dort gibt es keine wirklichen Vorbilder, denen wir nachstreben. Auf den Sound und die Arbeit unseres noch jungen Labels bezogen, gibt es sicherlich andere Labels deren Gesamtkonzept wir rund und stimmig finden und vor denen wir den Hut ziehen. Zu nennen wären da z.B. Defected, Dirtybird, AUS Music, Ninja Tunes oder Hyperdub. Wir versuchen uns aber nicht beeinflussen zu lassen und machen einfach unser Ding. Unser musikalischer Geschmack entscheidet, was für Musik wir veröffentlichen. In einer Zeit, wo viele danach streben, sich an gewissen Zielmärkten zu orientieren, versuchen wir durch Vielfalt Neues zu schaffen und gegen den omnipräsenten Einheitsbrei etwas Abwechslung zu bieten. Ob uns das gelingt, darf jeder für sich entscheiden.

Was war der erste Tonträger, den ihr gekauft habt?
Billy Kenny: Basement Jaxx – Rooty. Benski: Prodigy – Experience. Maximono: Michael Jackson – Bad. Gold Teeth: Jay-Z – Blueprint 2. SanFanDisko: Mc Hammer – U Can’t Touch This. Whiplash: Justice – Genesis.

Vinyl, CD, Kassette oder MP3?
Alle verschiedenen Formate und Medien haben ihre eigenen Vor- und Nachteile und darüber hinaus für jeden einen unterschiedlichen emotionalen und sicherlich auch nostalgischen Wert. Je nachdem, womit man groß geworden ist und was einem mehr Spaß macht, beim Auflegen zum Beispiel. Da wir unsere Musik bisher ausschließlich digital vertreiben, liegt unser Hauptaugenmerk auf MP3s und WAV-Dateien sowie auf Streaming-Diensten wie Spotify oder Apple Music. Unsere Künstler legen auch fast ausschließlich mit digitalen Medien auf, da es einfach praktischer ist und soundtechnisch das Optimum. Die meisten von uns kaufen sich aber auch gerne noch Vinyls für die knisternde heimische Sammlung. Wenn man in der Vergangenheit schon mal in Plattenläden gestöbert hat, kommt man wohl nie wieder dran vorbei, in den Kisten nach dem schwarzen Gold zu graben. Auch CDs sammeln wir teilweise noch. Für Compilations anderer Labels, die eines oder mehrere unserer Stücke lizensiert haben, gibt es sogar einen kleinen Altar bei uns im Büro.

Was war euer schönstes Erlebnis auf der Bühne?
Jeder von uns ist immer noch sehr dankbar dafür, überhaupt auf Bühnen stehen und Menschen mit Musik begeistern zu dürfen. Wenn es dann noch Musik ist, die man selber produziert oder veröffentlicht hat, dann ist der Moment schon unfassbar toll, wenn man merkt, dass sie auf der Tanzfläche funktioniert.

Was sollte man beim Touren immer dabei haben?
Genug This Ain’t Bristol-Aufkleber.

Mit wem würdet ihr gerne mal zusammenarbeiten?
Auch diese Liste droht unendlich lang zu werden. Wir feiern die Exilhannoveraner Les Loups unglaublich hart. Die strotzen nur so vor Talent. Mit denen würden wir gern irgendwas zusammen machen. Wissen die auch, machen wir auch irgendwann.

Bitte vollendet den Satz: Musik kann…
… knallen, berühren, drücken, trösten, heilen, beruhigen, ablenken, verbinden, versöhnen, good vibes erzeugen!

Euer Soundtrack für 2016?
Maximono – Selections.

Was sind eure Pläne für 2017?
Wir haben grundsätzlich viele Pläne, aber fahren bisher sehr gut mit der Strategie, alles so zu nehmen, wie es kommt. Die wichtigsten Ziele für uns sind, das Momentum zu halten, den Spaß an der Sache nicht zu verlieren und weiterhin qualitative Musik und Events zu hosten. Solange wir dann auch noch Menschen damit begeistern können, sind wir weiterhin auf Kurs und mehr als glücklich. Gern würden wir im nächsten Jahr unsere Labelnights im In- und Ausland erweitern.

Aufgezeichnet von Michael Stork

2017-10-24T20:36:51+00:00 Oktober 2017|Kategorien: Sterben und Tod|Tags: |