Von Hiobsbotschaften und sterbenden Ärzten

Musikvideos eignen sich hervorragend dazu, den Tod in all seinen Facetten darzustellen. Hier treffen tiefe Trauer, Schicksalsschläge oder Beerdigungsrituale auf Szenen voller Gewalt und Mord. Ebenso interessante wie verstörende Geschichten entstehen, die oftmals mit imposanten Bildern erzählt werden. Die folgende Auswahl von fünf Musikvideos widmet sich eben diesem Thema, dem Tod.

 

DAVID BOWIE
Lazarus (2016)

In dem Video zur seiner Single „Lazarus“ ist David Bowie in einem Krankenbett zu sehen. Er trägt eine Binde um den Kopf, an der Stelle seiner Augen befinden sich schwarze Nägel. Bowie singt von Narben, die niemand sehen könne, windet sich im Bett herum und verschwindet am Ende des Videos in einem Schrank. Drei Tage nach der Veröffentlichung des verstörenden Videos starb Bowie – dass der Sänger seit über einem Jahr an einer Krebserkrankung litt, wurde erst kurz vor seinem Tod bekannt.

 

DIE ÄRZTE
Junge (2007)

Die Ärzte haben das Sterben in ihren Videos zur Tradition gemacht: Sänger Farin Urlaub kam bisher schon viermal in den Videos seiner Band zu Tode. Hinzu kommen sechs Clips aus seinem Soloprojekt, in denen er ebenfalls stirbt. Im Clip zu der im Jahr 2007 erschienenen Single „Junge“ wird Farin Urlaub am Ende von einer Horde Zombies getötet, weshalb damals im Fernsehen aus Jugendschutzgründen vor 22 Uhr nur eine zensierte Version des Videos zu sehen war. Die Musikvideo-Tode von Farin Urlaub gestalten sich immer sehr kreativ und absurd: In „Ein Schwein namens Männer“ werden er, Bela B und Rodrigo González von Lara Croft umgebracht, in „Yoko Ono“ stürzt Urlaub mit seinen Kollegen in einem Aufzug ab, in „Deine Schuld“ wird ihm eine Naturkatastrophe zum Verhängnis.

 

RIHANNA
Bitch Better Have My Money (2015)

Rihanna schafft es zu provozieren: Im Jahr 2015 hat die Sängerin ein knapp siebenminütiges Video zu ihrem Song „Bitch Better Have My Money“ veröffentlicht, in dem Blut, Gewalt, Sex und Drogen auf der Tagesordnung stehen. In der fast kinoreifen Inszenierung drangsalieren Rihanna und zwei zwielichtige Freundinnen eine reiche Frau, die sie entführen und schließlich töten. Regie führte Rihanna in ihrem Video übrigens selbst. Zusätzlich wurde pünktlich zu den Halloween-Feierlichkeiten im Jahr 2015 auch eine erweitere, noch blutigere Version des Videos veröffentlicht.

 

CASPER
Jambalaya (2013)

Casper hat im Jahr 2013 zu seinem Album „Hinterland“ eine fünfteilige Musikvideo-Geschichte veröffentlicht, die in den amerikanischen Südstaaten spielt. Eines der Videos daraus ist „Jambalaya“, das in New Orleans gedreht wurde und stilecht mit einer Brassband namens „The Young Pinstripes“ aufwartet. Die Band geht zunächst in Aufstellung, Trauergäste betreten die Szene, und es wird klar, dass es hier um ein typisches Südstaaten-Begräbnis geht. Diese Begräbnisfeiern sind sehr traditionell, und so wird die Trauergemeinde mit Pauken und Trompeten zum Friedhof begleitet, während Casper seine Zeilen vor bunten Häusern rappt. Regie führten übrigens der Musiker und sein Manager Beat Gottwald. In diesem Video wird allerdings nicht klar, wer da eigentlich von uns gegangen ist. Die Antwort darauf gibt der Clip zu „Alles endet (aber nie die Musik)“, in dem Casper selbst bei einem Tankstellen-Überfall erschossen wird.

 

LANA DEL REY
Born To Die (2011)

Die Sängerin Lana Del Rey hat im Jahr 2011 mit ihrem Song „Video Games“ weltweit die Charts erobert. Eine Frau, die sich mit ihrer Musik und ihrem Aussehen an vergangenen Jahrzehnten bedient. Kurze Zeit nach ihrer Hitsingle hat die Sängerin ein Video zu ihrem Song „Born To Die“ veröffentlicht, dessen Titel die dramatische Story in gewisser Weise schon vorgibt. Eine Diva mit Blumenkrone sitzt auf einem Thron in einer Kirche, mit einem Tiger zu ihrer Rechten und einem zu ihrer Linken. Mit ernster Miene und dezenten Gesten singt sie vom Schicksal: „Born To Die“. Das bewahrheitet sich am Ende des Videos auch: Ein Auto verunglückt, aus dem ein Mann seine Freundin nur noch blutüberströmt bergen kann.

Torben Hodan

2017-10-24T19:33:52+00:00 Oktober 2017|Kategorien: Sterben und Tod|Tags: , |