Crescendo (Ausgabe: Stille)

Ein Exkurs über die steigende Lautstärke der Musik

Popmusik wird immer lauter. Wie das funktioniert? Kompressoren sorgen dafür, dass ein Song voller klingt, obwohl der Maximalpegel des Stücks gleich bleibt. Dabei werden die höchsten Spitzen einer Tonspur abgeschnitten, damit die Gesamtlautstärke angehoben werden kann. So klingt alles insgesamt satter, aber auch die Unterschiede zwischen den lauten und leisen Stellen werden kleiner.

Die geringe Dynamik führt nach Meinung vieler Kritiker zu weniger Differenziertheit im Klang. Die Befürworter hingegen sagen: Die Lautstärke der Musik passt sich unserer Umgebung an; ist die Musik von Anfang an lauter, müssen die Hörer sie nicht lauter drehen. Im sogenannten Loudnesswar stritten beide Seiten jahrelang über diese Entwicklung. Richtig ist wohl, dass durch den steigenden Lärmpegel in den Städten viele Menschen laute Musik bevorzugen, die sich gegen den Lärm durchsetzen kann. Im stillen Wohnzimmer hingegen kann einem die immer laut dröhnende Musik schnell den Nerv töten.

Warum sorgen nicht die Abspielgeräte für die Kompression? Je nach Umgebungslautstärke könnten sie die Musik bei der Wiedergabe stark oder weniger stark komprimieren. Und wem die komprimierte Musik im Straßenlärm zu anstrengend wird, der macht sie einfach aus und horcht auf den urbanen Rhythmus der Baustellenhämmer.

Bruno Schubert

2017-10-13T17:34:42+00:00 Juni 2017|Kategorien: Stille|Tags: |