Deutscher Antilärm-Verein

„Niemals hat sich der Mensch mit mehr Gelärm, unter schrecklicherem Geruch über die Erde bewegt.“ Man könnte meinen, diese Aussage stamme aus einem Ökomagazin. Der Satz geht jedoch auf den gebürtigen Hannoveraner Theodor Lessing zurück und erschien 1908 in seiner Abhandlung „Der Lärm. Eine Kampfschrift gegen die Geräusche unseres Lebens“.
Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte sich das städtische Leben durch die technische Entwicklung so stark und rasant verändert, dass es für viele bald unerträglich wurde. Nachdem sich Menschen in den USA und in England bereits in Vereinen zusammengeschlossen hatten, um Maßnahmen für einen stilleren Straßenverkehr zu treffen, gründete Lessing 1908 in Hannover den „Deutschen Antilärm-Verein“. Er trat neben aufklärenden Essays über die Gefahren des Lärms auch mit konkreten Ideen hervor, wie der „Einführung eines besseren, geräuschlosen Beton- oder Asphaltpflasters“, „exakteren Verfügungen über die erlaubte Spurweite“ oder Vorschlägen zum „Hufbeschlag der Pferde“.
Lessing betrachtete die Geräusche der Städte als „Nervengift“. Seiner Initiative ablehnend gegenüber standen allerdings Menschen, für die das gleiche Phänomen die „Melodie“ des modernen Lebens bedeutete. Deshalb konnten sich Lessing und seine Kollegen weder in der Öffentlichkeit noch bei den staatlichen Behörden durchsetzen. Statt der erhofften 6000 Mitglieder waren in zwei Jahren kaum mehr als 1000 Engagierte der Gesellschaft beigetreten. Im April 1911 stellte Lessing fest: „Unsere Sache kam noch zu früh, wird sich aber immer wieder melden und wird siegen“ – und schloss das Büro des Antilärm-Vereins in Hannover.
Auch wenn die Initiative kurzlebig war, zog sie einige praktische Ergebnisse nach sich. Dank ihrer Arbeit begannen zum Beispiel Experimente zur Schalldämmung an der Technischen Hochschule Hannover.

Zsófia Timár

2017-06-29T14:02:22+00:00 Juni 2017|Kategorien: Stille|Tags: |